Gregor Schmalzried über KI: Albtraum oder Angebot?

Der Journalist und Podcaster referierte im Rahmen des Utopia-Festivals: „Wir, aber besser“

Das Festival Utopia nimmt die Spannungsfelder zwischen Kultur und Wissenschaft in den Fokus – nicht um sie aufzulösen, sondern als Denkraum für aktuelle Zukunftsfragen. Am Sonntagabend ging es um die Frage, wie viel Verantwortung der Mensch bereit ist, an Systeme abzugeben. Dass dieses Thema auf großes Interesse stößt, zeigte das voll besetzte Forum der Attenkofer Akademie.
Unter den Gästen befanden sich Oberbürgermeister Markus Pannermayr sowie Bürgermeister Werner Schäfer, der in seiner Begrüßung nochmals auf den Gedanken von „Utopia“ einging. Utopien sind längst keine harmlosen Gedankenspiele mehr. Die Künstliche Intelligenz zeigt eindrucksvoll, wie schnell aus Vision Wirklichkeit werden kann.

Vermittler zwischen Euphorie und Skepsis

Genau hier setzte Gregor Schmalzrieds Vortrag „Wir, aber besser“ an. Er betrat das Podium nicht als Prediger des Neuen, sondern als Vermittler zwischen Euphorie und Skepsis. Sein Vortrag „Wir, aber besser“ war weniger eine Lobeshymne auf die Künstliche Intelligenz als eine gedankliche Annäherung an die Frage, was vom Menschen bleibt, wenn Maschinen plötzlich mitdenken. Schon der Titel verriet die Ambivalenz: Das „Wir“ ist gesetzt, das „besser“ hingegen bleibt offen.
Der bekannte Tech-Journalist, Autor und Podcaster arbeitet mit anschaulichen Präsentationen und Beispielen, vermeidet dabei jedes Pathos und hält die Argumentation bewusst offen. Er verzichtet auf Alarmismus ebenso wie auf Euphorie. Künstliche Intelligenz erscheint bei ihm weder als Erlöser noch als Bedrohung, sondern als Verstärker menschlicher Eigenschaften. „Wir haben die KI gebaut. Als nächstes baut sie uns“ – so seine These. Sie beschleunigt nicht nur Kreativität und Effizienz, sondern ebenso Denkfaulheit und moralische Unschärfe. Mit diesem Ausblick entwickelte sich im weiteren Verlauf ein lebhaftes Zwiegespräch mit dem Publikum, weniger ein Monolog.

Wer trägt die Verantwortung?

Besonders stark ist Schmalzrieds insistierende Frage nach Verantwortung. Wenn Maschinen Vorschläge machen, Texte schreiben, Bilder generieren – wer entscheidet dann noch? Und wer trägt die Konsequenzen? Die KI zwingt uns paradoxerweise dazu, wieder genauer hinzusehen und einige unserer Denkweisen neu zu ordnen – nicht weil sie denkt, sondern gerade weil sie uns spiegelt. Die Maschine entlarvt damit weniger sich selbst als unsere bedingungslose Bereitschaft, Verantwortung abzugeben. „Human in the Loop“ ist eines der Schlüsselworte des Vortrags: Der Mensch verschwindet nicht hinter der Maschine, sondern bleibt Teil der Schleife – als Korrektiv, als Sinngeber, als Verantwortlicher.
Konsequent vermeidet der Referent das Vokabular der großen Tech-Heilsversprechen. Fortschritt ist für ihn kein Naturgesetz, sondern eine kulturelle Entscheidung. „Besser“ heißt nicht schneller, nicht effizienter, sondern bewusster. Gerade in der Attenkofer Akademie, einem Ort, der für Qualitätsjournalismus, Information und gedrucktes Denken steht, erhält diese Perspektive besonderes Gewicht. Die Frage nach Deutungshoheit wird hier nicht abstrakt, sondern konkret verhandelt.
Das Publikum folgte aufmerksam, kritisch, gelegentlich auch irritiert. Die Diskussion im Anschluss zeigte: Dieser Vortrag liefert keine einfachen Antworten – der Blick in die Zukunft bleibt bewusst ambivalent. KI wird unsere Gesellschaft verändern, daran lässt Schmalzried keinen Zweifel. Entscheidend aber wird sein, ob wir sie als Werkzeug begreifen oder als Instanz, der wir Entscheidungen überlassen.
Am Ende stand keine Vision von einer perfekten Zukunft, sondern eine Einladung zur Verantwortung – zum Nachdenken vor dem nächsten Klick. Vielleicht ist das die eigentliche Anregung von „Wir, aber besser“: Nicht die KI sollte uns erklären, wie sie uns besser macht, sondern der Mensch sollte die Deutungshoheit darüber nicht aus der Hand geben. Schmalzrieds Buch „Wir, aber besser“ ist kein Versprechen, sondern ein zeitgemäßer Kompass für Neugierige und Technikbegeisterte, die verstehen wollen, wie wir KI zu unserem Vorteil nutzen können. Der anhaltende Beifall zeigte, dass Utopia mit seiner Intention, Kultur und Wissenschaft zusammenzubringen, einmal mehr ins Schwarze getroffen hat.

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