So lief der Lehrermedientag in der Attenkofer Akademie

Bei der Forbildung erklärten drei Experten aus Journalismus und Wissenschaft, wie sie Falschmeldungen erkennen und gaben Lehrkräften Tipps für den Unterricht.

Swipen, scrollen, liken: Soziale Medien machen Spaß und informieren. Doch woher weiß man, welche Bilder und Nachrichten echt sind und welche gefälscht? Was tut man, wenn man sich nicht sicher ist? Um diese Frage drehte sich der Lehrermedientag der bayerischen Zeitungen, der zum neunten Mal als gemeinsames Angebot live aus der Mediaschool Bayern in München gestreamt wurde. Mehr als 80 Lehrkräfte aus Niederbayern und der Oberpfalz von Gymnasien, Realschulen, Grund- und Mittelschulen sowie Sonderpädagogikeinrichtungen verfolgten die Vorträge in der Attenkofer Akademie in Straubing.

Zu Beginn des Lehrermedientages wurden die Lehrkräfte gefragt, wie sicher sie Fake News erkennen könnten. Etwa 15 Prozent meinten, sie täten sich grundsätzlich sehr schwer damit. Die restlichen etwa 85 Prozent gaben an, sie hätten Probleme mit besonders guten Fälschungen.

Den ersten Vortrag hielt Jan Ludwig, Leiter des Rechercheteams der Neuen Zürcher Zeitung und Faktenchecker. Er gab den Lehrkräften Tipps (siehe links), anhand derer sie erkennen können, ob es sich bei Bildern und Videos um Fake News oder echte Aufnahmen handelt.

„Fakes kriegen uns, wenn wir ohne Abwehr sind“

Ludwig betonte, dass die meisten Fakes nicht perfekt seien und erkannt werden könnten. Als Beispiel zeigte er ein Video einer Überwachungskamera aus einem Supermarkt. Der Zeitstempel zeigte Uhrzeiten und ein Datum, das so nicht existiert. „Die KI hat das Weltverständnis eines achtjährigen Kindes“, sagte Ludwig. Sie wisse zwar, dass es Minuten, Stunden, Tage, Wochen und Monate gibt, aber nicht, wie diese zusammenhängen.

Zeit sei deswegen der entscheidende Faktor, um Fälschungen zu enttarnen. „Fakes kriegen uns, wenn wir ohne Abwehr sind“, erklärte Ludwig. „Wenn ich abends auf der Couch sitze, bin ich verwundbar.“ Denn wer zur Ablenkung oder Entspannung durch die sozialen Medien scrollt, der denke oft nicht groß darüber nach, was er da gerade sieht. Dann würden schon unperfekte Fälschungen ausreichen, um Nutzer zu täuschen. Wer sich aber bewusst Zeit nimmt, der würde in vielen Fällen erkennen, wenn etwas nicht echt ist. Der Faktenchecker bat auch darum, Inhalte nicht unüberprüft weiterzuschicken. Ein lustiges Katzenvideo, das eigentlich KI-generiert ist, wird niemandem schaden. Politische Inhalte, die gefälscht sind, könnten aber Wahlentscheidungen beeinflussen. Man sollte sich außerdem immer bewusst sein, dass im Internet und in den sozialen Medien unbekannte Menschen unterwegs sind. Im echten Leben würde man fremden Personen niemals einfach so vertrauen. Online sollte man ebenso misstrauisch sein, betonte Ludwig.

Den zweiten Vortrag hielt Carsten Reinemann, Professor für Kommunikationswissenschaft an der LMU München. Thema: Vertrauen in die Medien. Dies sei zwar wichtig, blindes Vertrauen sei aber auch nicht wünschenswert in einer Demokratie, erklärte Reinemann. Denn wenn Nutzer nichts mehr hinterfragen, führe genau das dazu, dass Leute auf Fake News hereinfallen. Waren früher Zeitungen und Nachrichtensender die einzigen Informationsquellen, so könne durch den digitalen Wandel jeder Informationen verbreiten – ob diese den Fakten entsprechen oder nicht. Informationen zu prüfen, sei Aufgabe und Besonderheit journalistischer Angebote. Schulen und Lehrkräfte sollten realistische Erwartungen an Medien fördern, ihren Schülern Kompetenz vermitteln und sie zur Reflexion über das eigene Medienvertrauen anregen.

„Man kann nicht jedem gleichermaßen trauen“

Die dritte Referentin war die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt von der Süddeutschen Zeitung, die den Zuschauern einen Einblick in ihre Arbeit gab. „Man kann nicht jedem gleichermaßen trauen“, sagte Berndt. Professoren oder Ministerien halte sie grundsätzlich für glaubhafter als Einzelpersonen in den sozialen Medien. Egal, um welche Quelle es sich handele, kritisch sollte man immer sein und vor allem darauf achten, wem in der Vergangenheit zu trauen war.

Berndt betonte auch den Unterschied zwischen Influencern und Journalisten. Es gebe durchaus seriöse Influencer, die die Inhalte, die sie an ihre Follower weitergeben, intensiv prüfen. Anders als Journalisten hätten Influencer aber keine Redaktion hinter sich, die Themen und Inhalte kritisch hinterfragt.

Nach den Vorträgen hatten die Lehrkräfte die Möglichkeit, Fragen an die Referenten zu stellen und an einer Führung durch die Attenkofer Akademie teilzunehmen. Kern des Gebäudes ist die Dokuschau. Hier erleben die Besucher Verlags- und Mediengeschichte im Wandel der Zeit. Zielgruppe sind Schüler ab der 8. Jahrgangsstufe, Lehrkräfte und Interessierte aller Altersgruppen.

Wie man Fake News entlarven kann

Jan Ludwig, Leiter des Rechercheteams bei der Neuen Zürcher Zeitung, gab den Lehrkräften bei seinem Vortrag konkrete Tipps mit an die Hand, wie sie Fake News erkennen können. Googeln oder eine Bilderrückwärtssuche helfe meist schon, um Fälschungen zu identifizieren. Davon abgesehen empfiehlt er, bei Bildern und Videos auf Folgendes zu achten:

 

 

Über den Lehrermedientag: Die Fortbildungsveranstaltung ist eine Kooperation des Verbands Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV), der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und der Mediaschool Bayern. Auch die Redaktion Freistunde bietet ein kostenloses Angebot für Schulen an. Infos dazu gibt es unter www.freistunde.de. Unterrichtsmaterialien finden sich unter www.klassemedien.de. Der Livestream des Lehrermedientags ist verfügbar unter www.lehrermedientag.de.

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