Lebensmut trotz(t) Demenz

Neurowissenschaftlerin Dr. Sarah Straub ist auch eine exzellente Musikerin. Mit ihrer Band war sie 2013 schon einmal in Straubing, beim Bluetone-Festival als Vorgruppe von Joe Cocker.
Neurowissenschaftlerin Dr. Sarah Straub ist auch eine exzellente Musikerin. Mit ihrer Band war sie 2013 schon einmal in Straubing, beim Bluetone-Festival als Vorgruppe von Joe Cocker.

Sarah Straub begeisterte mit Konzertlesung

Auf Einladung der AOK Direktion Straubing und in Kooperation mit der Bürgerstiftung war die Liedermacherin und Demenzforscherin Dr. Sarah Straub am Donnerstag in der gut klimatisierten Attenkofer Akademie zu Gast. In ihrem 90-minütigen Bühnenprogramm „Lebensmut trotz(t) Demenz“ – so lautet auch der Titel ihres neuen Buches – zeigte sie dem Publikum eindringlich und abwechslungsreich die verschiedenen Facetten dieser Erkrankung auf.

Dr. Sarah Straub zog ihre Zuhörer mit einer Mischung aus eigenkomponierten Liedern, gut verständlichen Fachinformationen, Anekdoten (immer wieder charmant im schwäbischen Dialekt) und wahren Geschichten aus ihrem Buch in den Bann. Die promovierte Diplom-Psychologin und Leiterin einer Demenz-Sprechstunde am Universitätsklinikum Ulm verbindet wissenschaftliche Expertise und persönliche Erfahrungen. Sie begleitete ihre Oma und ihren Schwiegervater bei dieser für Betroffene und Angehörige gleichermaßen herausfordernden Krankheit. Jede Demenz sei so individuell wie der Mensch, deshalb appellierte sie ans Publikum: „Gehen sie lebensbejahend und ohne Scham mit dem Thema Demenz um!“ Wichtig seien Zusammenhalt, Nächstenliebe, Geduld und Verständnis füreinander, dann könne ein gutes Leben mit Demenz gelingen. „Schenken sie kleine Momente, bei denen der Erkrankte sich wohlfühlt.“ Das könne ein geliebtes Lied sein, eine Tätigkeit, welche die Person früher gerne ausgeführt habe oder ein bestimmter Geruch. Auch im späteren Stadium einer Demenz können Anknüpfungspunkte an die Biografie kleine Wunder bewirken. Dr. Sarah Straub plädiert für eine exakte Diagnostik bei Fachärzten, um ersten Symptomen wie Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit oder Orientierungslosigkeit auf den Grund zu gehen. Erst wenn man weiß, um welche Form der Demenz es sich handelt oder ob es beispielsweise durch Vitamin B 12-Mangel nur vorübergehende Erscheinungen sind, kann man gezielt behandeln. Demenz ist nicht heilbar, aber man kann „durch Entschlossenheit und einem aktiven Lebensstil der Krankheit entgegentreten.“ Um den Zustand zu stabilisieren, hilft es, sich mit Dingen zu beschäftigen, die einem Freude bereiten und sich nicht zu isolieren.

Dr. Sarah Straub wünscht sich eine demenzsensible Gesellschaft, was angesichts der zunehmenden Zahl Betroffener unabdingbar sei. Der Austausch unter Angehörigen sei genauso wichtig wie das Aushalten manchmal irritierender Verhaltensweisen von Erkrankten, denn „das Herz wird nicht dement“. Zusammen mit anderen Experten bietet Dr. Sarah Straub in einem Modellprojekt eine kostenlose Online-Gedächtnissprechstunde an. Mehr Infos dazu auf ihrer Website www.sarah-straub.de im Bereich Demenz-Engagement.

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